Nachrichten aus der internationalen Nagelkreuzgemeinschaft.

„A Hard Road to Hope – ein anstrengender Weg zur Hoffnung“ – unter diesem Motto steht das Weltfriedensforum „RISING ’15“, das vom 11. bis 13. November 2015 in Coventry stattfindet. Staatsleute, Wirtschaftsführer, Friedensanwälte und Persönlichkeiten aus aller Welt werden dort neu über Frieden und Konflikte in einer bewegten Welt nachdenken.

Wer sich persönlich inspirieren lassen möchte, ist herzlich eingeladen, im November nach Coventry zu kommen. Nähere Informationen, das Programm und Eintrittskarten gibt es auf der Internetseite des Forums unter https://rising.org.

Das Forum findet genau 75 Jahre nach der Bombardierung Coventrys am 14. November 1940 statt. Veranstaltet wird es vom Stadtrat, der Universität sowie der Kathedrale von Coventry, besonders unterstützt von Erzbischof Desmond Tutu.

In den Niederlanden haben sich die derzeit neun Nagelkreuzzentren, sowie weitere Interessierte nun stärker organisiert.
Aus dem bisher unverbindlichen Gesprächskreis des Coventryberaad ist die Stiftung Coventryberaad entstanden, die zum 1. Januar 2015 zur Gründung angemeldet wurde. Das Leitungsgremium bilden Bert Kuipers (Rotterdam; Vorsitzender), Jannie Metselaar (Middelburg), Geert Peters (Nijmegen; Schatzmeister), Annelies Steenbrink (Rotterdam; Schriftführung) und Ingrid de Zwart (Deventer).

Am 14. September 2014 im Evensong in der Kathedrale von Coventry wurde Dr. Sarah Ann St. Leger Hills in ihre neue Aufgabe von Lord Bishop Dr. Christopher Cocksworth und Dean John Witcombe eingeführt. Zu Beginn nahm sie, von Geistlichen und Freunden ihres bisherigen Aufgabenbereiches in Sheffield begleitet, im Kirchenschiff Platz.

Im Verlauf des Evensong wurde sie nach vorne zum Bischof gebeten, und, nach dessen Vorstellung ihrer Person, vom Bischof und Dean in ihr Amt eingeführt und später vom Dean auf ihren neuen Sitzplatz im Altarraum der Kathedrale geführt.

Für die Nagelkreuzgemeinschaft in Deutschland hat unser Schriftführer Jost Hasselhorn an der Einführung mitgewirkt und Dr. Sarah Hills für ihren Dienst in der Versöhnungsarbeit gesegnet, dass dieser Dienst mit Mut und Phantasie, guten Ideen und einem warmen Herzen getan werden möge.

Zum 31. Mai 2014 beginnt an der Kathedrale von Coventry Canon Kathryn Fleming ihren Dienst als Canon Pastor, also für die pastorale Begleitung der Gemeinde (Nachfolge von Canon Tim Pullen). Wir wünschen ihr Gottes Segen für ihr Wirken!

Bereits jetzt gibt es einen 19-minütigen Film, in dem die Kathedrale von Coventry gezeigt und von Dean John Witcombe vorgestellt wird, auf DVD – in englischer Sprache und mit englischen Untertiteln. Wer diesen Film ausleihen will, kann bei Jost Hasselhorn (jost.hasselhorn@gmx.de) nachfragen.

Im Moment verhandeln wir mit der Kathedrale, dass dieser Film in der zweiten Jahreshälfte auch mit deutschen Untertiteln produziert wird.  Informationen dazu sind ebenfalls bei Jost Hasselhorn erhältlich.

Zur Situation in der Ukraine erreichten uns vor wenigen Wochen einige persönliche Zeilen des amtierenden Bischof der Ev.-Luth. Kirche der Ukraine. Angesichts der aktuellen Entwicklungen eine Momentaufnahme, die schon fast wieder überholt ist: Um zu verstehen, warum die Eskalation der politischen Situation in der Ukraine, vor allem in Kiew, so ungewöhnlich ist, muss man zuerst wissen, dass die Menschen im Land gewöhnlich sehr geduldig und abwartend sind: Sie erwarten nicht viel von ihrer Obrigkeit. Zudem ist Ukraine, verallgemeinernd gesagt, im Blick auf die Anbindung an die EU geteilt nach Ost und West. Auslöser der aktuellen Demonstrationen war nach meiner Einschätzung zum einen die Haltung von Präsident Janukovich, der schlussendlich ‚die russische Karte‘ gespielt hat, obwohl er zuvor relativ deutliche andere Signale gesendet hatte. Zum anderen war es der Ausbruch von Gewalt seitens der Sicherheitskräfte gegen friedliche Demonstranten Ende November („sie schlagen Kinder!“), die gewaltsame Räumung der Barrikaden Mitte Dezember. Zusätzlich angefacht wurden die Proteste durch den brutalen Angriff auf die Journalistin Tetjana Schornowil.
Ich kenne die Stadtgeographie zwischen Chreshatik, Maidan und dem Präsidentenpalast gut; die Berichte, die ich in der elektronischen Ausgabe der englischsprachigen „Kyiv Post“, aber auch etwa in ZEIT online gelesen habe, scheinen mir ein realistisches Bild zu zeichnen: Es ist der wuchtigste und für die Regierung gefährlichste Ausbruch von Protest seit der „orangenen Revolution“.
In einer hierarchisch strukturierten Gesellschaft wie der der Ukraine ist auch ganz klar, dass sich die Proteste auf die Hauptstadt konzentrieren. Die Provinz wird kaum wahrgenommen. Und natürlich ist – das wissen alle – Kiew das alte Symbol für die Macht und den Glanz der Ukraine (Taufe der Kiewer Rus 988), bevor dann die Herrscher gen Norden und Nordosten (Nowgorod und Moskau) abwanderten.
Der englische Botschafter sagte mir einmal sinngemäß über die politische Lage: Wer Kiew hat, hat das Land, wer Kiew verliert, verliert das Land.
Von Odessa aus (hier ist es ganz ruhig) ist schwer zu beurteilen, ob z.B. Regierungskräfte als Provokateure auftreten, um die friedlichen Demonstranten zu diskreditieren. Sicher ist, dass ganz unterschiedliche Menschen mit ganz unterschiedlichen persönlichen oder Gruppenzielen (darunter z.B. auch nationalistische Kräfte – aber das scheint mir eine Minderheit zu sein) an den Demonstrationen beteiligt sind. Die oppositionellen Kräfte schwächen sich gegenseitig dadurch, dass sie nur das ‚Gegen Janukowitsch’ einigt, nicht aber die Formulierung eigener gemeinsamer Ziele. Das Misstrauen der einen gegen die anderen ist groß und die Kunst des politischen Kompromisses als Handlungsgrundlage ist in der Kultur des Landes nicht eingeübt. Unsere evangelisch-lutherische St. Katharinenkirche Kiew liegt in unmittelbarer Nähe zum Präsidentenpalast; Pastor Ralf Haska, der dort Dienst tut, berichtete mir von verstopften Straßen, von schwerbewaffneten Sicherheitskräften und davon, dass es zeitweise unmöglich war, etwa mit dem Auto aus dem Viertel herauszukommen. Die Gemeinde lädt zu Friedensgebeten, zum Verweilen und zum Ausruhen ein; Tee, belegte Brote und Suppe sind bei Minusgraden sowohl bei Demonstranten wie bei Sicherheitskräften willkommen.

Pfarrer Uland Spahlinger, bisher Bischof der Ev.-Luth. Kirche Ukraine, wird wie geplant nach 5 Jahren Tätigkeit in Odessa und in der Ukraine das Amt erstmals in die Hände eines Geistlichen übergeben, der im Land geboren und aufgewachsen ist. Spahlinger, der auch Einzelmitglied unserer Gemeinschaft ist, wird zum 1. Mai eine neue Aufgabe als Dekan von Dinkelsbühl beginnen – wir wünschen ihm und seiner Frau Gottes Segen und Kraft für den Neuanfang!

Darf ich mich vorstellen? Ich bin Lisa, seit 2011 die dritte deutsche Freiwillige in Coventry. Meine bisherige Heimat waren Sprockhövel und Hattingen, zwei kleine nordrhein-westfälische Dörfer, von denen – gerade in England – noch nie jemand gehört hat. Dort habe ich auch meine Schulzeit durchlebt, um dann durch Aktion Sühnezeichen Friedensdienste zur Nagelkreuzgemeinschaft und nach Coventry zu kommen.
Inzwischen bin ich schon über zwei Monate hier und kann mich manchmal immer noch nicht entscheiden, ob es sich jetzt länger, oder kürzer anfühlt. Fest steht, ich habe mich gut eingelebt. Coventry als Stadt wird mir immer vertrauter und fühlt sich schon länger nach zu Hause an. Die Gesichter und Namen im Büro werden immer bekannter, was bei meinem Namensgedächtnis durchaus ein gutes Zeichen ist.
Und dann ist da noch die Arbeit. Ich hatte mich zwar schon auf die Zeit hier gefreut, aber die Arbeit macht immer noch mehr Spaß, als ich erwartet hätte. Es ist schwierig genau zusammen zu fassen woraus diese Arbeit besteht, aber gerade diese Vielseitigkeit macht es so spannend. Aber davon schreibe ich demnächst mehr.

Die Synode der Deutschen Evangelisch-Lutherischen Kirche in der Ukraine (DELKU) hat am 22. Oktober 2013 Pfarrer Serge Maschewski (37 Jahre) zum neuen Bischof der Kirche gewählt – erstmalig ein Geistlicher, der im Land geboren und aufgewachsen ist.
Die DELKU geht auf die Aussiedler zurück, die von Zarin Katharina II. Mitte des 18. Jahrhunderts ins Land gerufen wurden. In Odessa fand bereits 1801 der erste evangelische Gottesdienst statt, die Gemeinde zählte zeitweise über 10.000 Mitglieder. Heute zählt die DELKU in rund 30 Gemeinden etwas über 3.000 evangelische Christen. Bis zur Einführung ins Amt im Frühjahr 2014 wird der aus Bayern entsendete Pfarrer Uland Spahlinger das Bischofsamt weiter ausüben. Beiden gelten unsere Grüße und Segenswünsche!

In dem polnischen Nagelkreuzzentrum der Dreifaltigkeitskirche Lublin ist seit Spätsommer Pfarrer Grzegorz Brudny ins Amt eingeführt.
Pfarrer Dariusz Chwastek hat im Februar 2013 neue Aufgaben in Warschau an der Auferstehungskirche übernommen. Beiden gilt unser herzlicher Gruß – Gott möge sie in ihrer Arbeit segnen.