Internationales Netzwerk für Versöhnung

05.07.2012-12.07.2012 – Coventry (Vereinigtes Königreich)

Die 4. Internationale Jugendkonferenz fand – anlässlich des 50jähigen Jubiläums der St.-Michels-Kathedrale – in Coventry statt. Für die siebenköpfige deutsche Delegation berichtet Julia Schmidt-Lewerkühne aus Kiel:

“Ein Team von Freiwilligen, die in Coventry für die Nagelkreuzgemeinschaft arbeiteten, hatte die Konferenz und das umfassende Programm vorbereitet und begleitete und umsorgte die Gruppe. Wir wurden sehr freundlich aufgenommen und auch in der Kathedrale sehr herzlich begrüßt, wobei immer wieder betont wurde, wie viel Hoffnung ins uns als junge Generation, als „Generation of Hope“, gesetzt wird, dass wir uns für den Aufbau einer Friedensgesellschaft einsetzen.

In den Tagen der Konferenz erläuterte David Porter die drei Schritte der Versöhnungsarbeit und zeigt dabei die Probleme auf, die den Weg zur Versöhnung oft erschweren. Uns wurde schnell bewusst, wie komplex diese Arbeit ist und dass es eine ständige Aufgabe ist, nach Frieden und Versöhnung zu streben. Daher fand ich es erleichternd in einem Seminar von Andrew Smith praktische, leicht umsetzbare Tipps zu erhalten, wie ein friedliches, respektvolles Miteinander gestaltet werden kann. So ging es darum, neue Wege zu finden, über die eigene Religion zu sprechen. Statt der ewigen konfliktträchtigen Frage, welche Religion nun die bessere sei, solle man lieber die persönliche Frage stellen, was denn das Beste daran sei Christin, Muslim oder Hindu zu sein. Diese Anregung setzten wir bei unseren Besuchen in den verschiedenen Gebetshäusern (Hindutempel, Gudwara, Moschee) in die Tat um und erhielten sehr interessante Antworten.

In weiteren Workshops und Vorträgen tauchten wir tiefer ein in die verschiedenen Aspekte von Versöhnungsarbeit und lernten konkrete Projekte kennen, wie z.B. Entwicklungshilfeprojekte in Darfur oder Projekte zur Versöhnung in Ruanda. Dabei gab es immer wieder Gelegenheiten, sich über persönliche Erfahrungen oder Ansichten auszutauschen, was die Gemeinschaft in der Gruppe sehr stärkte. In diesen Reflexionen stellte ich Folgendes fest: Auch wenn die Konflikte in Deutschland nicht so tiefgreifend sind wie in anderen Ländern und man auf den ersten Blick sagen würde, hier sei alles friedlich, so gibt es doch Konflikte, die eventuell sogar Wunden hinterlassen, wie z.B. das Verhältnis von Ost- und Westdeutschen oder von Katholiken und Protestanten. So wurde auch der Blick auf das eigene Land geschärft, was ich als bereichernd empfand.

Zum Schluss waren wir uns alle einig, dass zum einen die Zeit viel zu schnell verging und dass zum anderen besonders der Austausch mit jungen Leuten aus verschiedenen Teilen der Erde ein großer Gewinn war.”