Annegret Seyfang ist am 23. Oktober 1932 in Hamburg geboren und hatte als Kind den II. Weltkrieg miterlebt. Der Vater, Karl Eduard Wilhelm Seyfang, war arbeitslos geworden, nachdem er sich weigerte, der NSDAP beizutreten, und daher zog die Familie für etwa anderthalb Jahrzehnte nach Hannover, wo Vater Seyfang zur Überbrückung wenigstens als LKW-Fahrer tätig sein konnte.
Nach dem Krieg arbeitete er als Versicherungskaufmann bei der Volksfürsorge. Mutter Erika Hedwig Seyfang war Hauswirtschaftsleiterin in verschiedenen Kinderheimen.
Annegret war eine ruhige besonnene Person – für ihre sieben Jahre jüngere Schwester Ingeborg war sie ein bisschen Mutterersatz.

Annegret studierte Anglistik in Hamburg, aber auch in Bristol und in Göttingen (oder Tübingen, das ist nicht ganz sicher) und wurde Lehrerin Sie lebte während des Studiums wieder einige Zeit in Hamburg und war, nach einem Referendariat in Wandsbek als Oberstudienrätin am Lohmühlengymnasium (Aufbaugymnasium Lohmühlenpark) in Hamburg St. Georg (heute in der Stadtteilschule Hamburg Mitte aufgegangen) tätig. Spätestens 1962 ist sie aus persönlichen Gründen nach Lübeck gezogen. Sie ist täglich zum Lohmühlengymnasium nach Hamburg gependelt.

Auf einer Taizé-Fahrt 1982 hatte sie den Pfarrer der St. Marienkirche Lübeck, Pfarrer Volker Schulz, kennengelernt und sich dann in dieser Gemeinde „zu Hause gefühlt“ und stark engagiert.
St. Marien war 1971 bereits in die Versöhnungsarbeit der Nagelkreuzgemeinschaft gekommen, und diese Versöhnungsarbeit ist Annegret Seyfang sehr wichtig geworden. Aus gesundheitlichen Gründen ist sie mit 55 Jahren in den vorgezogenen Ruhestand getreten und hat als Lebensmittelpunkt Lübeck behalten.

Gerne ist sie gereist, sie war an Fragen der Theologie genau so interessiert wie an Fragen der Geschichte und der vielen Geschichten der Mitmenschen.1990 war sie in Dresden bei dem Treffen der Nagelkreuzzentren aus Ost undWest dabei, die dort beschlossen, künftig einen Verein „Nagelkreuzgemeinschaft in Deutschland e.V.“ zu gründen. Bei allen zweijährig stattfindenden Mitgliederversammlungen war sie dabei, zuletzt 2015 in Hofgeismar. Über zwanzig Jahre, bis 2013, hat sie einen wichtigen Dienst in der Gemeinschaft verantwortlich übernommen: das Führen der Adressen derer, die in Deutschland und in Mittel- und Osteuropa den Freundesbrief zweimal im Jahr zugeschickt bekommen; und jedes Mal dann den Versand an die zuletzt über dreihundert Adressen vorzunehmen! Danke für diese stille Arbeit für die Vernetzung an so vielen Orten! Zugleich war sie tatkräftig engagiert, wenn es darum ging, wie junge Menschenin die Versöhnungs-Geschichte von Coventry eingeführt werden und vertraut werden mit dem „Vater vergib“ der Litanei von Coventry.

Wir erinnern gerne an unsere Schwester im Herrn, die nun am 14. März 2019 im Krankenhaus starb; unsere Gedanken und Gebete gehen an ihre Familie und an ihre Gemeinde, die sie vermissen.

 

Verfasser des Textes: Jost Hasselhorn