Berichte aus der Nagelkreuzgemeinschaft und den Nagelkreuzzentren

Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern und die Römisch-Katholische Erzdiözese München und Freising begingen den 75. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau mit einer ökumenischen Andacht am 27. April 2020 zwischen 17 und 18 Uhr. Diese fand am authentischen Ort statt, in der Evangelischen Versöhnungskirche auf dem einstigen Gelände des Häftlingslagers, unweit des Krematoriums.
Da das Gedenken wegen der Corona-Krise nicht öffentlich sein konnte – geplant war ein großer Gottesdienst zum Befreiungstag mit Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, Kardinal Reinhard Marx und Metropolit Augoustinos Lambardakis -, wurde die Andacht in einer deutschsprachigen und einer englischsprachigen Fassung aufgezeichnet. Das geschah auf Wunsch von Familien von Dachau-Überlebenden und von Veteranen, die als amerikanische Soldaten Dachau befreit hatten.

Im Mittelpunkt der Andacht stehen Zeugnisse der Dachau-Häftlinge Herbert Zipper, Jura Soyfer, Joseph Rovan und Karl Adolf Groß. Der Gesang der jungen Musikstudentin Sophie Aeckerle auf Deutsch, Griechisch, Englisch und Hebräisch verbindet das Gedenken an alle KZ-Opfer und die dankbare Erinnerung an die Befreiung vor 75 Jahren mit der Hoffnung auf eine Überwindung von Unrecht, Krieg und Not heute. Das Video wird am Mittwoch, 29. April 2020, um 17 Uhr veröffentlicht, in etwa zu der Zeit, zu der vor 75 Jahren US-Army-Einheiten die Häftlinge befreiten: www.bayern-evangelisch.de/75J.BefreiungDachau.

Für Kirchenrat Dr. Björn Mensing, Pastoralreferent Ludwig Schmidinger und Diakon Klaus Schultz, von unserem ökumenischen Nagelkreuzzentrum „Evangelische Versöhnungskirche“ und (katholische) „Todesangst-Christi-Kapelle“, die gemeinsam mit der Sängerin Sophie Aeckerle die Andacht gestalteten, war es von tiefer Bedeutung, dass zur selben Zeit an anderen Orten der Befreiung von Dachau gedacht wurde. Auf Initiative des Shoah-Überlebenden Zdeněk Pošusta in Prag, dessen Vater das KZ Dachau überlebt hatte, beteten in der Tschechischen Republik Oberrabbiner Karol Sidon und Bischof em. František Radkovský für die Opfer. Viele gute Wünsche zum einzigen „analogen“ Gedenken zum 75. Jahrestag der Befreiung am authentischen Ort kamen gestern in Dachau an, aus den USA, aus Großbritannien, aus Polen, aus den Niederlanden und aus Deutschland. Der Dank für ihr Engagement von Dr. Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, war den Verantwortlichen der kirchlichen Gedenkstättenarbeit besonders wertvoll, ein bemerkenswertes Zeichen der jüdisch-christlichen Verbundenheit, gerade angesichts der schuldhaften Verstrickung der deutschen Kirchen in der Zeit des Nationalsozialismus.

In Potsdam in der Nagelkreuzkapelle der Garnisonkirche ist man betroffen, dass Manfred Stolpe, ein wichtiger Förderer der dortigen Versöhnungsarbeit, am 28. Dezember 2019 verstorben ist. Unser Ehrenmitglied Paul Oestreicher hat aus langjähriger Verbundenheit einen sehr persönlichen Nachruf geschrieben:

„MANFRED STOLPE – VERSÖHNENDER BRÜCKENBAUER“

Unsere Beziehung zu DDR Zeiten war eine kollegiale. Freundlichkeit und Sachlichkeit waren seine Hauptmerkmale. Er war Jurist und Verwaltungschef des Evangelischen Kirchenbundes der DDR. Zwei weitere Eigenschaften fallen mir dabei ein: Kompetenz und Selbstsicherheit. Er verlor nicht mehr Worte als notwendig waren, hatte aber immer Zeit für das Wesentliche. Ich fühlte mich in seiner Gegenwart wohl. Ich war der Osteuropabeauftragte des britischen Kirchenrates. Ökumenische Beziehungen und Menschenrechte waren mein Arbeitsgebiet. Freunde, auf Deutsch ‚per Du‘, wurden wir erst, als Manfred der heute hochgelobte Landesvater Brandenburg geworden war. Heute ist die Trauer seiner Familie und seines Landes auch meine.

Menschen, die hohe Ansprüche an sich selbst stellen, die viel erreichen wollen und dementsprechend viel riskieren, sind in hoch politisierten Zeiten umstrittene Menschen. Das Staat-Kirchenverhältnis war in der DDR immer hoch politisiert und im Aufgabenbereich Stolpes riskant, jedenfalls riskant, es sei denn man entzieht sich der Stürme der Zeit und bleibt passiv. Das konnte dieser Konsistorialpräsident von seinem Wesen her nicht tun. Er war ein Macher mit erstaunlicher Gelassenheit, die als Überlegenheit erscheinen konnte. Beliebtheit hat er sich als Kirchenmann nicht zum Ziel gemacht.

Als Landes- und Bundespolitiker habe ich Stolpe nicht gekannt. Eine Einschätzung dieser zweiten Phase seines Lebens überlasse ich gerne der deutschen Öffentlichkeit. Seinen Nachruf in der Zeit kann ich aber empfehlen, jedenfalls den Teil, der sich mit seinem Wirken in der DDR befaßt, denn darin war ich ein gelegentlicher Mitstreiter. Sein umstrittener Einsatz für Menschenrechte habe ich z.T. begleiten dürfen. Ich weiß, was den Mann motivierte, sei es um die relative Freiheit der Kirche als Institution zu sichern oder gefährdete Personen und Gruppen, seien sie Christen oder nicht, nach Möglichkeit zu unterstützen. Das war ohne den Staat nicht möglich, und der Staat hieß meistens die Staatssicherheit.

Stolpe haßte jede Form von Konfrontation. Ein Ziel zu erreichen, ging nicht ohne Diplomatie. Diplomatie geht nicht ohne Kompromiß. Ein gutes Ziel rechtfertigt. Er hat es manchmal erreicht. Ich habe es direkt erlebt und mitgestaltet. Zusammen mit Bischof Fork hat er die Mutter der friedlichen Revolution Bärbel Bohley (und andere) aus dem Knast geholt und für sie sechs Monate Studienurlaub in England erstritten unter ihrer Bedingung, in die DDR zurück kommen zu dürfen. Letzteres paßte dem Staat gar nicht. Bärbel hielt sich nicht an die Bedingung, im Ausland nicht politisch zu agieren, also war der Staat nicht gewillt, sie wieder zurückkommen zu lassen. Stolpe hat das vereitelt, indem er sie pünktlich nach sechs Monaten schweigend in Prag abholte und über eine ‚Hintertür‘ in die DDR zurückbrachte.

Unter falschem Namen hat ihn die Stasi bestimmt abgeschöpft. Mich auch. Das war ein geringer Preis, hat mit Verrat nichts zu tun. Stolpe blieb ein treuer Sohn der Kirche sogar dann, wenn seine Arbeitgeber nicht immer genau wußten, was er tat. Stolpe hat niemals im Kalten Krieg die Seiten gewechselt. In dieser grauen Welt zu funktionieren, war mutig. Die Grenze zwischen Mut und Übermut war, zugestanden, hauchdünn. Die Stasi hat ihn nicht, und er sie nicht über den Tisch gezogen.

Marianne Birthlers Weigerung, im Nachhinein im Wissen um Stolpes Kompromisse nicht mehr mit ihm arbeiten zu wollen, beruht meines Erachtens auf das irrige (aber ehrenhafte) Prinzip, daß im totalitären Staat allein die ‚reine Weste‘ christlicher Nachfolge entspreche.

Der Vorwurf, Stolpe hätte zur Mauer nicht schweigen dürfen, war haltlos. Die Westmächte und die Bundesrepublik wußten, daß die Mauer eine tragische Notwendigkeit bleibt, bis the Sowjetunion die DDR fallen läßt. Fällt die Mauer, fällt die DDR. Fällt die DDR, droht ein Atomkrieg. So hat es mir Walter Ulbricht persönlich erklärt, und in fast den gleichen Worten der stellvertretende britische Militärkommandant Westberlins. Stolpe war Realist und gehörte damit zu den Verteidigern des Friedens. Die Dissidenten aber auch. Er versuchte sie auf seiner Art zu schützen.

Zuletzt noch Eines und das paßt in die Zeit nach dem Mauerfall. Stolpe als Bürger Potsdams setzte sich für die umstrittene Erneuerung der ehemaligen Garnisonkirche ein. Sie solle im Zeichen des versöhnenden Nagelkreuzes von Coventry ein Zentrum der Auseinandersetzung mit der unguten Geschichte werden, ein Friedenszentrum. Der nach dem Krieg erhaltene Turm, nun Heilig Kreuz Kirche genannt, solle als Nagelkreuzgemeinde neu entstehen. Von der SED zerstört, sei der wiederaufgebaute Turm auch städtebaulich sinnvoll.

Manfred Stolpe hat Pfarrerin Cornelia Radeke-Engst ermutigt, eine Nagelkreuzgemeinde aufzubauen, was sie im besten Sinne tatkräftig unternommen hat. Vom Anfang an hat Manfred ihre Arbeit aktiv unterstützt. Letztlich schwer krank, mußte sich Stolpe zurückziehen, freute sich aber, daß der Turm nun wieder entsteht. Einen Bruch mit der Vergangenheit müßte es aber darstellen. Den Wiederaufbau der gesamten alten Garnisonkirche hielt er für falsch. Das versicherte er mir mehrmals. Die Stiftung, wie es jetzt scheint, ist anderer Meinung. Schade. Meinungsverschiedenheiten jeglicher Art zum Trotz würde Manfred ruhig lächelnd sagen ‚tut mit Freude der Stadt bestes.‘

MANFRED STOLPE – CHRIST UND MENSCH
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Ein Nachwort:
Zur Feier meines 80.Geburtstags kamen viele geliebte Menschen in meine Heimatstadt Meiningen. Viele hätten bei der Feier gerne etwas gesagt. Loblieder wünschte ich mir aber nicht. Nur zwei Menschen, zwei politische Christen, bat ich um kurze Worte: Heino Falcke und Manfred Stolpe. In ihrer klaren persönlichen Verschiedenheit stellten sie zwei Lebenswege dar, was es heißen konnte, Christ und Mensch in der DDR zu sein: ein sich ergänzender Segen.

Paul Oestreicher

Vom 20.-22. September 2019 hat sich die Mitgliederversammlung der deutschen Nagelkreuzgemeinschaft in Loccum getroffen. Das Treffen wurde zum einen durch die Wahlen zum Leitungs­kreis und Vorstand bestimmt. Zum anderen wurde wie üblich ein thematischer Schwerpunkt gesetzt: Am Samstagnachmittag beschäftigte sich die Mitgliederversammlung mit dem Thema „Erin­nerungskultur“.

Das folgende Video bietet einige Eindrücke aus Loccum.

 

Annegret Seyfang ist am 23. Oktober 1932 in Hamburg geboren und hatte als Kind den II. Weltkrieg miterlebt. Der Vater, Karl Eduard Wilhelm Seyfang, war arbeitslos geworden, nachdem er sich weigerte, der NSDAP beizutreten, und daher zog die Familie für etwa anderthalb Jahrzehnte nach Hannover, wo Vater Seyfang zur Überbrückung wenigstens als LKW-Fahrer tätig sein konnte.
Nach dem Krieg arbeitete er als Versicherungskaufmann bei der Volksfürsorge. Mutter Erika Hedwig Seyfang war Hauswirtschaftsleiterin in verschiedenen Kinderheimen.
Annegret war eine ruhige besonnene Person – für ihre sieben Jahre jüngere Schwester Ingeborg war sie ein bisschen Mutterersatz.

Annegret studierte Anglistik in Hamburg, aber auch in Bristol und in Göttingen (oder Tübingen, das ist nicht ganz sicher) und wurde Lehrerin Sie lebte während des Studiums wieder einige Zeit in Hamburg und war, nach einem Referendariat in Wandsbek als Oberstudienrätin am Lohmühlengymnasium (Aufbaugymnasium Lohmühlenpark) in Hamburg St. Georg (heute in der Stadtteilschule Hamburg Mitte aufgegangen) tätig. Spätestens 1962 ist sie aus persönlichen Gründen nach Lübeck gezogen. Sie ist täglich zum Lohmühlengymnasium nach Hamburg gependelt.

Auf einer Taizé-Fahrt 1982 hatte sie den Pfarrer der St. Marienkirche Lübeck, Pfarrer Volker Schulz, kennengelernt und sich dann in dieser Gemeinde „zu Hause gefühlt“ und stark engagiert.
St. Marien war 1971 bereits in die Versöhnungsarbeit der Nagelkreuzgemeinschaft gekommen, und diese Versöhnungsarbeit ist Annegret Seyfang sehr wichtig geworden. Aus gesundheitlichen Gründen ist sie mit 55 Jahren in den vorgezogenen Ruhestand getreten und hat als Lebensmittelpunkt Lübeck behalten.

Gerne ist sie gereist, sie war an Fragen der Theologie genau so interessiert wie an Fragen der Geschichte und der vielen Geschichten der Mitmenschen.1990 war sie in Dresden bei dem Treffen der Nagelkreuzzentren aus Ost undWest dabei, die dort beschlossen, künftig einen Verein „Nagelkreuzgemeinschaft in Deutschland e.V.“ zu gründen. Bei allen zweijährig stattfindenden Mitgliederversammlungen war sie dabei, zuletzt 2015 in Hofgeismar. Über zwanzig Jahre, bis 2013, hat sie einen wichtigen Dienst in der Gemeinschaft verantwortlich übernommen: das Führen der Adressen derer, die in Deutschland und in Mittel- und Osteuropa den Freundesbrief zweimal im Jahr zugeschickt bekommen; und jedes Mal dann den Versand an die zuletzt über dreihundert Adressen vorzunehmen! Danke für diese stille Arbeit für die Vernetzung an so vielen Orten! Zugleich war sie tatkräftig engagiert, wenn es darum ging, wie junge Menschenin die Versöhnungs-Geschichte von Coventry eingeführt werden und vertraut werden mit dem „Vater vergib“ der Litanei von Coventry.

Wir erinnern gerne an unsere Schwester im Herrn, die nun am 14. März 2019 im Krankenhaus starb; unsere Gedanken und Gebete gehen an ihre Familie und an ihre Gemeinde, die sie vermissen.

 

Verfasser des Textes: Jost Hasselhorn

Wir trauern um den ehemaligen Vorsitzenden der Nagelkreuzgemeinschaft in Deutschland e.V. und Companion der Kathedrale von Coventry, Pfr. i.R. Karl-Anton Hagedorn, der am 1. März 2018 verstorben ist. Die deutsche Nagelkreuzgemeinschaft verdankt dem Verstorbenen viel. Ohne sein tatkräftiges Engagement wäre unser Verein nach dem Mauerfall nicht gegründet worden. Als unser erster Vorsitzender hat er unseren Verein und seine Ziele maßgeblich und nachhaltig geprägt  und so der Vernetzung der deutschen Nagelkreuzzentren – zwischen West und Ost, aber auch Nord und Süd – eine neue Qualität gegeben, von der wir bis heute profitieren. Wir werden Karl-Anton Hagedorn in dankbarer Erinnerung behalten und unsere Gedanken und Gebete sind mit der Familie des Verstorbenen.

Aus Münster hat uns ein sehr persönlich gehaltener Nachruf erreicht, den wir hiermit gerne veröffentlichen.

Oliver Schuegraf
Vorsitzender der deutschen Nagelkreuzgemeinschaft

 

 

Seid aber untereinander freundlich, herzlich und vergebt einer dem andern, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus. Epheser 4, 32

 

Dieses Wort aus dem Epheserbrief, das die Versöhnungslitanei aus  Coventry abschließt, steht über der Todesanzeige von

 

Karl-Anton Hagedorn,

 

der am 1. März 2018 im Alter von 91 Jahren verstarb. Der Vers umfasst sein Pfarrersein in der Gemeinde rund um die Versöhnungskirche in Münster von 1967 bis 1989.

Kurz nach dem Mauerfall war Karl-Anton maßgeblich an der Gründung der „Nagel­kreuz­gemeinschaft in Deutschland“ in Dresden beteiligt und wurde deren erster Vorsitzender. Er pflegte die Kontakte zwischen „Ost und West“ und begründete neue Nagelkreuzzentren in Stralsund und auf Hiddensee. Über Deutschland hinaus knüpfte er Kontakte zur Farmschule Baumgartsbrunn in Namibia, nach Mostar/Bosnien-Herzegowina und nach Modra in der Slowakei. Die Verbindung nach Coventry blieb lebendig durch Reisen und Besuchsgruppen sowie durch die gemeinsame Erarbeitung der deutschen Fassung der Lebensordnung.

Provost John Petty verlieh Karl-Anton Hagedorn die Berufung zum ‚Companion of the Cross of Nails‘.

Auf vielen evangelischen und katholischen Kirchentagen wurde die Versöhnungsarbeit vorgestellt, wobei das Basteln von kleinen Nagelkreuzen aus Hufnägeln großen Zulauf fand.

Der Gedanke der Versöhnung – überkonfessionell und international – fand sein Echo in unserem Gemeindeleben. Regelmäßig stattfindende Andachten, die aus der Gemeinde heraus mitgestaltet wurden, waren Karl-Anton lieb und wichtig.

Im Jahr 2007 hat die Stadt Münster zugelassen, dass die Apostelkirchengemeinde das Gemeinde­leben der Versöhnungskirche beendete.  Karl-Antons Einsatz für den Erhalt der Kirche war ver­geblich. Dankbar war er, als das Nagelkreuz auf dem Altar der Andreas-Kirche in Münster-Coerde wieder einen würdigen Platz fand.

Unsere Familie Hasenburg war fest in der Gemeinde verwurzelt. Karl-Anton taufte, konfirmierte und traute unsere Kinder. Als Pfarrhelferin konnte ich zusammen mit ihm und den weiteren Mit­arbeitenden im Team das  Haus der Gemeinde gestalten.

Bis heute macht es mir Freude, die Versöhnung stiftende Arbeit in seinem Sinne fortzusetzen.

Adelheid Hasenburg
im März 2018

Die Nagelkreuzgemeinschaft in Deutschland e.V. und die Nagelkreuzgemeinschaft weltweit haben eine langjährige Wegbegleiterin und Gestalterin, eine mütterliche Freundin und betende Ermutigerin verloren. Am Morgen des 10. Juli 2017 schlief Schwester Edith Haufe 86-jährig im Altenzentrum des Dresdner Diakonissenhauses still ein.

Schwester Edith wurde am 9. März 1931 in Dresden geboren und besuchte in Meißen die Schule. Nach der Schulzeit arbeitete sie bei einem Bauern, in dessen Familie sie den christlichen Glauben intensiver kennen und Jesus Christus lieben lernte. Bald arbeitete sie in der Jungen Gemeinde mit und erkannte ihre Berufung zur Diakonisse. So trat sie 1953 in die Diakonissenschwesternschaft ein, legte während der Probezeit ihr Krankenpflegeexamen ab und wurde anschließend als Gemeindeschwester in Dresden-Plauen eingesetzt. Nach ihrer Einsegnung im Jahr 1963 führte ihr Dienst Schwester Edith in die Gemeindepflege der Dresdner Kreuzkirche, der sie sich zeitlebens besonders verbunden fühlte

Bereits seit 1965, als die Diakonissenanstalt ein Nagelkreuz vom Canon Paul Oestreicher erhalten hatte, war Schwester Edith der Kontakt zur Kathedrale in Coventry sehr wichtig. Sehr intensiv war der Kontakt zu Provost John Petty (der Strukturwandel der Anglikanischen Kirche veränderte am Ende seiner Amtszeit den Titel – heute ist der frühere Provost der Dean der Kathedrale). Bei der Amtseinführung von John Petty im Januar 1988 hielt sie erstmalig eine Predigt in englischer Sprache – in Coventry.

Ebenso hielt sie zu Zeiten der DDR engen Kontakt zu den Nagelkreuzzentren in der DDR, vertreten insbesondere durch Werner Krätschell und Helmut Gröpler.

„Versöhnung ist mein Leben“, erzählte sie später oft. Im Januar 1988 wurde sie Coventry Companion der weltweiten Nagelkreuzgemeinschaft, also eine besondere Botschafterin des Versöhnungsgedankens. Mit dieser ehrenvollen Auszeichnung hat die Kathedrale von Coventry weltweit nur zwölf Menschen bedacht.

So oft es möglich war, nahm sie an den Treffen in Coventry teil – manchmal bedurfte es dazu der finanziellen Hilfe von anderen Companions aus Amerika!

Ab 1977 übernahm Schwester Edith für 30 Jahre die Verantwortung für das Mutterhausarchiv und die Öffentlichkeitsarbeit des Diakonisenhauses.

1991 wurde bei einem Treffen der rund 25 Zentren in Ostdeutschland und Westdeutschland  der Verein  ‚Nagelkreuzgemeinschaft in Deutschland e.V.’ gegründet  – Schwester Edith gehörte zum Gründungsvorstand und arbeitete eng mit dem Vorsitzenden Pfarrer Karl-Anton Hagedorn zusammen. Auch nach ihrem Ausscheiden aus dem Leitungskreis nahm sie als Companion immer wieder an den Sitzungen der leitenden Gremien teil und half mit ihren Kontakten.

2013 konnte Schwester Edith ihr Goldenes Diakonissenjubiläum feiern. Aber seitdem hatte sie auch große gesundheitliche Probleme. In den letzten Wochen ihres Lebens wollte sie heim zum Himmlischen Vater, wo wir sie nun wissen dürfen.

Wir erinnern uns an sie als eine fröhliche, hoffnungserfüllte Frau, manchmal etwas verschmitzt, und immer zum vertiefenden Gespräch und zum Gebet bereit.

Der Gedächtnisgottesdienst findet am  Freitag, 14.07.2017, 9.30 Uhr, in der Diakonissenhauskirche, Bautzner Str. 70, 01099 Dresden statt. Um 11.00 Uhr wird S. Edith auf dem Friedhof Dresden Bühlau, Quohrener Str. 18, 01324 Dresden, beerdigt. Im Anschluss sind Anteilnehmende herzlich zum Mittagessen eingeladen, wofür um Anmeldung unter Tel.: 0351 8101011 oder Mail: esther.selle@diako-dresden.de gebeten wird.

Die deutsche Nagelkreuzgemeinschaft trauert um  den Companion der Kathedrale von Coventry Martin Hüneke. Der ehemalige Superintendent des Kirchenkreises Köln Mitte verstarb am 14. Juni im Alter von 87 Jahren. Wir sind dankbar für Hünekes außergewöhnlichen Einsatz für Versöhnung und Frieden im Geiste der Kathedrale von Coventry.

Besonders sein ehrenamtliches Engagement für das Versöhnungswerk e.V. wird die deutsche Nagelkreuzgemeinschaft in dankbarer Erinnerung behalten. Das Versöhnungswerk hatte sich von 1993 bis 2006 der Aufgabe verschrieben, den Versöhnungsdienst der Kathedrale finanziell zu unterstützen. In dieser Zeit war es der Kathedrale nicht möglich, die Versöhnungsarbeit und dazugehörige Stelle eigenständig zu unterhalten. Für über ein Jahrzehnt diente Martin Hüneke dem Versöhnungswerk als Schriftführer und war damit maßgeblich für die Spendeneinwerbung in den deutschen Landeskirchen zuständig. Er hatte während seiner Zeit als Pfarrer der deutschen evangelischen Auslandsgemeinde in London Paul Oestreicher kennengelernt. Als dieser vom Außenamt der Anglikanischen Kirche an die Kathedrale von Coventry als Canon (Domkanoniker) für Versöhnungsarbeit wechselte, begann Hüneke die Arbeit der Kathedrale und der Nagelkreuzgemeinschaft mit Rat und Tat zu begleiten. Darüber hinaus hat sich Hüneke intensiv für die Partnerschaftsarbeit seiner Landeskirche mit Tansania und Liverpool sowie für den christlich-jüdischen Dialog eingesetzt.

Für sein Engagement wurde er im Jahr 2000 von der Kathedrale von Coventry zum Companion der Kathedrale ernannt.

Oliver Schuegraf, Vorsitzender der deutschen Nagelkreuzgemeinschaft, würdigt den Einsatz Martin Hünekes, ohne den die internationale Versöhnungsarbeit Canon Paul Oestreichers und seines Nachfolgers Canon Andrew White nicht in dieser Weise möglich gewesen wäre. „Dafür wird Martin Hüneke immer einen besonderen Platz in der Geschichte der Kathedrale von Coventry  und der internationalen Nagelkreuzgemeinschaft haben.“

Vom 16. bis zum 18. Oktober 2015 hat die Mitgliederversammlung der Nagelkreuzgemeinschaft in Deutschland e. V. im Tagungszentrum Hohenwart in Pforzheim stattgefunden. Über 70 Teilnehmer waren in die Heimat von gleich zwei Nagelkreuzzentren gekommen, um Neuigkeiten aus dem Verein, aus Coventry und den Zentren zu hören, sich untereinander auszutauschen und einen neuen Leitungskreis und einen neuen Vorstand zu wählen.

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