Am Sonntag, 12.09.2021 fand in der Johannis-Kirche in Plettenberg – Eiringhausen der Festgottesdienst zum Jubiläum und zur Überreichung eines Wandernagelkreuzes an den Ev. Kirchenkreis Lüdenscheid-Plettenberg statt.

Im Gottesdienst begrüßte der Superintendent Dr. Christof Grote neben dem Bürgermeister Ulrich Schulte noch zahlreiche BesucherInnen aus Fern und Nah, so den früheren Vorsitzenden (Pfr. Hartmut Ebmeier), als auch den aktuellen Vorsitzenden der deutschen Nagelkreuzgemeinschaft (OKR Dr. Oliver Schuegraf), der auch die Predigt hielt. Verantwortliche aus dem Nagelkreuzzentrum, als auch aus der Kreuzkirchengemeinde Lüdenscheid, wirkten weiter im Gottesdienst mit.

 

In seiner Predigt machte Schuegraf deutlich, dass Versöhnung und Vergebung große Worte und Konzepte sind, die Mut bedürfen. Er ging sowohl auf die aktuelle Situation mit dem chaotischen Rückzug aus Afghanistan als auch auf die nunmehr 20 Jahre zurückliegenden Anschläge vom 11. September ein, die uns immer wieder zeigen, dass wir nicht automatisch auf eine immer friedvollere und versöhntere Welt zugehen.

Daher sind auch heute Menschen gesucht und gefragt, die bereit sind aufeinander zuzugehen, die Hand auszustrecken und Gesten der Versöhnung anbieten. Selbst, wenn Herz und Verstand zutiefst verletzt sind. So der Prediger wörtlich: „… je länger ich für die weltweite Nagelkreuzgemeinschaft arbeite, desto mehr bin ich beeindruckt und ermutigt von all den Nagelkreuzler, die dennoch genau dies tun: In Demut und voller Glaube für Versöhnung leben, in ihren Familien, in ihren Kirchen, in der Gesellschaft, in die sie gestellt sind.“ Seine Predigt endete mit Worten im Blick auf das zuvor verliehene Wandernagelkreuz: „Ich hoffe, dass das neue Wandernagelkreuz des Kirchenkreises ein hilfreiches Symbol sein wird, gegen alle Realitäten der Welt zu hoffen und zu glauben, dass Versöhnung, dass eine einfachere und friedlichere Welt möglich ist.“

 

Das Kinder- und Jugendreferat des Kirchenkreises gehört gemeinsam mit der Ev. Kirchengemeinde Herscheid und dem ehemaligen Haus Nordhelle (heute Landhaus Nordhelle) zur weltweiten Nagelkreuzgemeinschaft und bilden gemeinsam das Nagelkreuz Nordhelle. Sie bekamen das Nagelkreuz im Mai 1996 von dem damaligen Domprobst der Kathedrale von Coventry, John Petty verliehen. Nach dem Eigentümerwechsel von Haus Nordhelle wurde der Standort des Nagelkreuzes in die Johannis-Kirche in Eiringhausen (Plettenberg) verlegt.

 

Aus der Hand des Vorsitzenden der Nagelkreuzgemeinschaft in Deutschland, erhielt der Ev. Kirchenkreis, stellvertretend Britta Däumer und Stefan Schick, ein „Wandernagelkreuz“ aus Coventry, welches fortan für ein Jahr an eine Gemeinde, Einrichtung oder Initiative weitergereicht wird.

Damit sollen bereits vorhandene oder neu anzustoßende Schwerpunkte der Versöhnungsarbeit im Kirchenkreis unterstützt, hervorgehoben und miteinander vernetzt werden. In diesem Jahr erhielt als erste Kirchengemeinde die Kreuzkirchengemeinde in Lüdenscheid das Nagelkreuz, welches von Maike und Andreas Moos in Empfang genommen wurde. Geplant ist, dass dieses neue Wandernagelkreuz der Gemeinde der Kreuzkirche Lüdenscheid in einem Gottesdienst am 10.10.2021 näher vorgestellt werden soll.

 

Beim anschließenden Empfang im Gemeindehaus umrahmten Informationsstände verschiedener Initiativen unseres Kirchenkreises die Besucherinnen und Besucher und förderten so weitere Gespräche und einen Austausch zu unterschiedlichen Projekten, die zur Versöhnung beitragen. Zu nennen sind hier die Partnerschaften des Kirchenkreises (Indonesien und Tansania), als auch das Interreligiöse Forum.

 

Stefan Schick und Britta Däumer (Nagelkreuzzentrum Ev. Kirchenkreis Lüdenscheid-Plettenberg)

Aus der deutschen Nagelkreuzgemeinschaft heraus ist mehrfach der Wunsch nach geistlichem miteinander per Video stark geworden, um sich untereinander zu stärken und die Gemeinschaft der Versöhnungssuchenden trotz der allgemeinen Situation zu erleben.

Von zwei ökumenischen Angeboten wissen wir, vielleicht gibt es auch weitere Initiativen.

In Dachau wurde bei YouTube ein eigener Channel für die wöchentlichen Versöhnungsgebete eingerichtet: solange die KZ-Gedenkstätte geschlossen bleibt, wird regelmäßig freitags auf 12.30h eine weitere aktuelle Andacht eingestellt:

Evang. Versöhnungskirche Dachau – YouTube

Im Mittelpunkt dieser Andachten steht neben dem Versöhnungsgebet von Coventry die biographische Erinnerung an Verfolgte des Nationalsozialismus, zumeist an einen Häftling des Konzentrationslagers Dachau.

Die Verantwortlichen der Versöhnungsarbeit in Dachau freuen sich, wenn die Andachten von vielen in der Gemeinschaft wahrgenommen werden! Sie werden ja für längere Zeit verfügbar sein.

Jeweils am ersten Freitag des Monats, um 12.00 Uhr, treffen sich seit einiger Zeit per Videokonferenz Menschen aus der Internationalen Versöhnungsgemeinschaft (bisher: Amerika, Südafrika, Niederlande, Polen, Österreich, Indien, Großbritannien und Deutschland), um ein abwechselnd vorbereitetes Gebet miteinander zu sprechen. Diese Videokonferenzen sind zweisprachig (Englisch und Deutsch). Wer daran teilnehmen will – am 5. Februar oder im März – meldet sich bitte bei Oliver Schuegraf per eMail, damit sie/er die Zugangsdaten zur Zoom-Videokonferenz erhält.

September 2020: Evangelische-Lutherische Diakonissenanstalt, Kreuzkirchengemeinde, Kirchengemeinde „Maria am Wasser“, Frauenkirche und DenkRaum Sophienkirche – das sind die fünf Nagelkreuzzentren Dresdens. Sie stehen in engem Kontakt zueinander und koordinieren ihre Arbeit. Die Leitungen der Dresdner Nagelkreuzzentren haben verabredet, dass künftig im jährlichen Wechsel ein Zentrum besondere Akzente und Impulse in der Dresdner Öffentlichkeit setzen soll.

Den Auftakt macht im Jahr 2020/21 das Nagelkreuzzentrum Diakonissenanstalt Dresden e.V. Sie wurde als erstes Nagelkreuzzentrum der Stadt gegründet und feiert dieses Jahr ihr 55-jähriges Bestehen: Im Jahr 1965 leisten junge Erwachsene aus England Aufbaudienst an einem durch britische Bomber zerstörten Flügel des Diakonissenkrankenhauses. Propst Williams besuchte die Freiwilligen und überreichte der Diakonissenhauskirche ein Nagelkreuz.

Dieses hohe Jubiläum wird die Diakonissenanstalt am Nagelkreuzsonntag (27. September) gemeinsam mit den anderen Nagelkreuzzentren Dresdens in der Diakonissenhauskirche begehen. Details zu dem Gottesdienst und den weiteren Veranstaltungen im Dresdener Nagelkreuzjahr 2020/21, das unter dem Motto „Neugierig aufeinander sein“ steht, sind im Flyer zu finden [hier klicken].

Foto: (C) Agentur Becker & Bredel Saarbrücken.

Am 6. Oktober bzw. am 13. Oktober wurden die Evangelische Kirchengemeinde Alt-Saarbrücken und das Evangelische Jugendwerk Öhringen in die internationale Nagelkreuzgemeinschaft aufgenommen.

Die Evang. Kirchengemeinde Alt-Saarbrücken, die in der Zeit des Dritten Reiches eine Gemeinde der Bekennenden Kirche war und am 1. July 1934 die Bekenntnissynode für das Saargebiet einberief, ist sich durch ihre Geschichte, die auch die Zerstörung der Kirche im 2. Weltkrieg und ihren kontroversen Wiederaufbau einschließt, der besonderen Verantwortung für Frieden und Versöhnung bewusst. Mit der Aufnahme in die Nagelkreuzgemeinschaft will die Kirchengemeinde diese Verantwortung noch stärker als bisher wahrnehmen.

Am 5. Oktober 1944 wurde Saarbrücken durch einen Bombenangriff zu fast 90% zerstört – darunter auch die barocke Ludwigskirche. 75 Jahre danach wurde am Abend des 5. Oktobers in einen Gedenkkonzert in der Ludwigskirche die unter den Schrecken des 1. Weltkrieges entstandene Kantate „Dona nobis pacem“ von Ralph Vaughan Williams (1936), sowie das „Gloria“ von Francis Poulenc (1959) aufgeführt.

Am Tag darauf überreichten Canon David Stone aus Coventry und OKR Oliver Schuegraf, Vorsitzender der deutschen Nagelkreuzgemeinschaft, in einem Festgottesdienst das Nagelkreuz. Für die Predigt konnte mit Pfr. i.R. Hans-Dieter Osenberg, ein „Zeitzeugen“ der Bombenangriffe auf das Rheinland, gewonnen werden.

Einen guten Eindruck von der Übergabe des Nagelkreuzes bietet der kurze Bericht des Saarländischen Rundfunks.

Nagelkreuzverleihung in Öhringen

Festlich, fröhlich, nachdenklich, dankbar ging es dann eine Woche später in Öhringen zu.

„Die Welt braucht das Nagelkreuz“, hatte Dekanin Sabine Waldmann gleich zu Beginn ihrer Begrüßung festgestellt. Das wurde dann im weiteren Verlauf entfaltet. In einem Anspiel und einem selbstgedrehten Video von Jugendmitarbeitern sah man die Fans rivalisierender Fußball-Vereine übereinander herziehen, gefolgt von kreativen Ideen, wie mit Konflikten umgegangen werden kann. In seiner Predigt griff Ulrich Hägele, der Bezirksjugendpfarrer, die kleinen und großen Unversöhntheiten allein der vorangegangenen Tage auf, und nannte diese „eine Woche zum Haareraufen“, an der man eigentlich verzweifeln müsste. Dagegen setzte er Paulus‘ Worte aus dem 2. Korintherbrief, dass zu einer neuen Schöpfung gehört, wer im Glauben mit Christus lebt, sich versöhnen lässt und selber Botschafter der Versöhnung wird. Das Jugendwerk hat sich das längst schon zur Aufgabe gemacht. Die jährlichen internationalen Sommer-Camps oder die Möglichkeit, im Jugendwerk ein freiwilliges internationales Jahr zu absolvieren zeugen davon. Wie Gott durch seine Liebe Menschen verwandelt und das Neue schafft zog sich auch als roter Faden durch die Lieder, mitreißend begleitet von einer Band aus Jugendmitarbeitern, deren Musik und Gesang unter die Haut ging.

Das Nagelkreuz überreichten Mark Simmons als Vertreter Coventrys und Pfarrerin Antje Biller für die Deutsche Nagelkreuzgemeinschaft.

Wir heißen die Evangelische Kirchengemeinde Alt-Saarbrücken und das Jugendwerk Öhringen in der deutschen und internationalen Nagelkreuzgemeinschaft willkommen und freuen uns dankbar, dass ihr Engagement für Vielfalt und Versöhnung künftig unter dem Nagelkreuz stehen soll.