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Anschläge in Paris genau 75 Jahre nach Zerstörung der Kathedrale

„Die entsetzlichen Ereignisse der vergangenen Nacht in Paris erinnern uns wieder an das Böse, zu dem Menschen fähig sind. Unsere aus tiefstem Herzen gesprochenen Gebete gedenken aller, die geliebte Menschen verloren haben, und aller, die verletzt wurden oder bei den jüngsten Angriffen traumatisiert wurden.“

Das erklärte Dr. Sarah Hills, Leiterin der Versöhnungsarbeit an der Kathedrale von Coventry,  am 14. November 2015 – genau 75 Jahre nach den Bombenangriffen auf Coventry, bei denen auch die Kathedrale zerstört wurde. In Coventry und überall auf der Welt erinnern sich die Menschen in diesen Tagen an die Ereignisse im Zweiten Weltkrieg.

„Wir erinnern aber daran in einer bestimmten Haltung“, so Sarah Hills. „Am Morgen nach dem Bombardement ist Provost Howard, der leitende Geistliche der Kathedralgemeinde damals, in die vom Rauch erfüllte Ruine der geliebten Kathedrale gegangen und sagte zwei Worte: ‚Vater vergib!‘  Heute finden wir uns wieder an einem Morgen nach einer schrecklichen Zerstörung, bei der wiederum Leben ausgelöscht wurde. Wieder müssen wir reagieren – und wir sollten es nicht im Geist des Hasses oder der Rache tun, sondern aus einer großen Sehnsucht heraus nach Frieden und Versöhnung.“ Weiterlesen

Die Stadt Heilbronn hatte Anfang Dezember an den 70. Jahrestag des zerstörerischen Bombenangriffs auf die Stadt zu erinnern.
Den fast zweistündigen Gottesdienst mit Prälat Harald Stumpf gestalteten nicht nur die Kilianskirchgemeinde und Zeitzeugen des Bombenangriffs, sondern auch Schülerinnen und Schüler des Lichtenstern Gymnasiums in Sachsenheim (seit 2011 Nagelkreuzzentrum). Dabei überreichte der Schulleiter Pfarrer Reinhart Gronbach eine von Schülern gestaltete Decke an die Nagelkreuzgemeinschaft in Deutschland e.V., für die unser Schriftführer Jost Hasselhorn herzlichen Dank sagte.

Am 15. November hatte die Nagelkreuzarbeit in Pforzheim zur zweiten Pforzheimer Versöhnungsnacht die „Pforzheimerinnen und Pforzheimer jeglichen Alters, jeglicher Herkunft, jeglicher Nationalität und jeglicher Konfession“ eingeladen. Die Veranstaltung regte zum Mitdenken an, wie Frieden, Versöhnung und Bewahrung der Schöpfung konkret aussehen kann. Am darauf folgenden Sonntag, 16. November, hat ein gut besuchter Gottesdienst in Pforzheim-Huchenfeld daran erinnert, dass uns die Sehnsucht nach der himmlischen Heimat auch darin bestärken kann, immer wieder kleine Schritte der Feindesliebe zu versuchen.

Es stand am Vorabend ja auch schon im Bannkreis von St. Benno, nämlich in Bennopolis,  nun aber hatte es erstmals in der Bennokirche selbst seinen Platz gefunden: auf dem Altar der Krypta stand das Nagelkreuz, in seinem Stein aus Flossenbürg. Es war so Mittelpunkt des allwöchentlichen Donnerstagabendgottesdienstes. Dieser wurde denn auch besonders gestaltet, nicht nur musikalisch durch den stimmlichen und Gitarre spielenden Einsatz zweier junger Frauen, die zusammen mit Herrn Wiener mit modernen Liedern die Feier umrahmten. Auch inhaltlich ging Pfarrer Sperrer, der gemeinsam mit Pfarrer Höck den Gottesdienst leitete, mehrfach auf die Nagelkreuzthemen Frieden und Versöhnung ein, und vor dem Schlusssegen wurde das Versöhnungsgebet von Coventry mit seinem markanten „Vater vergib“ gebetet. (Text: Susanne Elsner / Bilder: Klaus Bachhuber & Walter Elsner)

Beiträge zur Nagelkreuzverleihung an St. Barbara:

Nagelkreuzverleihung (09.11.2014)
Vortrag zum Nagelkreuz (10.11.2014)
Kinder kommt zum Nagelkreuz (11.11.2014)
Theater „Blickwechsel“ Dachau (12.11.2014)
Nagelkreuz in der Bennokirche (13.11.2014)
Die Festwoche geht zu Ende (14.11.2014)

Bilder von der Nagelkreuzverleihung an St. Barbara:

Am 1. August wurde in zahlreichen Nagelkreuzzentren Deutschlands zeitgleich mit der Kathedrale in Coventry an den Beginn des 1. Weltkrieges vor hundert Jahren erinnert. Nach einem zehnminütigen Glockenläuten als Mahnung gegen den Krieg standen in der Gedenkandacht biblische und lyrische Texte im Zentrum, die die Frage von Schuld und Vergebung aufgriffen. Es wurde der Opfer gedacht, der Trauer der Hinterbliebenen, aber auch die Schuld der Kirche thematisiert. Im Zentrum stand das Versöhnungsgebet von Coventry. Von hier aus richtete sich der Blick auf gegenwärtige Konflikte und Kriege, wo die Erkenntnis der Schuldverflochtenheit und die Botschaft des Verzichts auf Rache und Vergeltung als erster Schritt auf einem mühsamen Weg der Versöhnung zum Tragen kam.

Diese gemeinsame Aktion der Nagelkreuzgemeinschaft hat in zahlreichen Städten eine deutliche Wahrnehmung in der Presse und in der Bildberichterstattung gefunden und damit die Arbeit der Nagelkreuzgemeinschaft weiter bekannt gemacht.

In 18 Städten in Deutschland und parallel in Coventry wird am Freitag, 1. August zu einer Andacht eingeladen, die die Nagelkreuzgemeinschaft in Deutschland e.V. vorbereitet hat, um eine Stimme der Versöhnung angesichts 100 Jahre Erster Weltkrieg hörbar werden zu lassen:

Berlin: St. Marien, Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche, Kirche zu den 4 Evangelisten, Martin-Luther-Gedächtniskirche und Französische Friedrichstadtkirche, Dresden: Frauenkirche und Kreuzkirche, Erfurt: Augustinerkloster, Günzburg: Hofkirche, Halle/Saale: Hospiz St. Elisabeth-Krankenhaus, Hamburg: St. Katharinen, Heilbronn: Kilianskirche, Heiligengrabe: Klosterstift, Lemgo: St. Nicolai, Löhne: Kirchengemeinde Mahnen, Meinerzhagen: Haus Nordhelle, Meschede: Gemeinsames Kirchenzentrum, Neuruppin: Klosterkirche, Pforzheim: Stadtkirche und Kirchgemeinde Pforzheim-Huchenfeld gemeinsam, Weimar: Herderkirche, Wunstorf, Wuppertal – Gemarke, Würzburg: Ökumenische Nagelkreuzinitiative

Am 1. August 2014 jährt sich der Ausbruch des Ersten Weltkriegs zum 100. Mal. Als Symbol der Verbundenheit aller Christen und Völker über Staatsgrenzen und Konfessionen hinweg werden an diesem Tag in vielen Nagelkreuzzentren und Kirchen in ganz Deutschland um 18.00 Uhr für zehn Minuten die Glocken läuten, gleichzeitig mit denen der Kathedrale von Coventry. Darüber hinaus laden die Nagelkreuzzentren ein zu Gottesdiensten, Andachten, Vorträgen und Gesprächen.

In der Vorweihnachtszeit besuchten – jeweils zu zweit – Mitglieder des Nagelkreuzzentrums Kiel Flüchtlingsfamilien, die überwiegend dem syrischen Bürgerkrieg entkommen waren. Wir wollten ihnen nach widriger Flucht aus ihrer Heimat ein Willkommen in Kiel bereiten, indem wir ihnen Spielzeug sowie Teller mit Obst und Keksen mitbrachten. Als Symbol für ein friedliches Miteinander von Deutschen und Flüchtlingen und die Hoffnung auf Frieden in ihrem Land zündeten wir mit ihnen das Friedenslicht von Bethlehem der Pfadfinder an.
Zu unserer freudigen Überraschung wurden wir von allen Familien herzlich aufgenommen und erlebten so unsererseits deren Gastfreundschaft. Die erfreulichen Begegnungen waren eine Ermutigung zu weiteren Aktivitäten. So bildete sich zum Jahresanfang 2014 der „Freundeskreis für Flüchtlinge in Kiel“, der in Zusammenarbeit mit dem für die Aufnahme und Unterbringung in Kiel verantwortlichen „Christlichen Verein“ die ehrenamtliche Flüchtlingsarbeit koordinieren wird. Als Nächstes werden Ende Februar Flüchtlingsfamilien zu einem gemeinsamen Essen eingeladen, um im respektvollen gegenseitigen Umgang auf Augenhöhe beim Einleben zu begleiten. Ob es gelingt? Wir vom Nagelkreuzzentrum Kiel sind zuversichtlich und sehen uns geistlich verbunden mit der Versöhnungslitanei: „Unsere mangelnde Teilnahme an der Not der Gefangenen, Heimatlosen und Flüchtlinge: Vater Vergib.“

Am Samstag, den 19. Januar 2013, wurde Rev. Canon John Witcombe in einem Festgottesdienst als Pfarrer der St. Michaels Kirche und neuer Dean an der Kathedrale zu Coventry eingeführt. John Witcombe war bislang in Gloucester tätig, wo er u.a. für das liturgische und spirituelle Leben an der Kathedrale zuständig war. Er ist der fünfte Dean seit der Weihe der neuen Kathedrale im Jahre 1962.

Fast 500 Menschen hatten es dem Schnee und Eis getrotzt und es zum Gottesdienst geschafft. Auch viele von John Witcombes bisherigen Kollegen aus Gloucester hatten die Anreise bewältigt. Auf Grund der Wetterverhältnisse gelang es jedoch nicht allen, am Gottesdienst teil zu nehmen, beispielsweise kamen OKR Dr. Oliver Schuegraf als Repräsentant der Nagelkreuzgemeinschaft in Deutschland sowie der Vertreter der Deutschen Botschaft in London leider nicht bis Coventry.

Vor Gottesdienstbeginn versammelten sich Bischof Christopher von Coventry, die Domkanoniker, sowie weitere Geistliche in der Chapel of Christ the Servant, um als Zeugen dem Installationsversprechen von John Witcombe beizuwohnen, so wie es das Kirchenrecht der Kirche von England vorsieht.

Mit seinem Amtsantritt als neuer Dean von Coventry Cathedral ist John Witcombe nicht nur für die Gemeinde an der Kathedrale verantwortlich und hat Aufgaben für die Diözese zu übernehmen, sondern er ist auch Dean der weltweiten Nagelkreuzgemeinschaft. Auf eine entsprechende Frage von Bischof John von Warwickshire, dem Präsidenten der englischen Nagelkreuzzentren (in Vertretung für Oliver Schuegraf), versprach John Witcombe der Nagelkreuzgemeinschaft in „Liebe, Freundlichkeit und Vergebung zu dienen“.

Auch in seiner ersten Predigt als Dean bezog John Witcombe sich auf die Ziele der Nagelkreuzgemeinschaft: 1) Wunden der Geschichte zu heilen; 2) Lernen, mit Unterschieden zu leben und Vielfalt zu feiern sowie 3) eine Kultur des Friedens zu schaffen. Besonders das zweite Ziel stellte er als wichtigen Grundgedanken für die Gemeinschaft heute heraus.

Die ASF-Freiwillige Felicitas Elisabeth Weileder 2012 in ihrem Abschlussbericht über ihre Zeit in Coventry:

„…Im vergangenen Jahr habe ich meinen Horizont enorm erweitert. Meine Ansichten wurden massiv in Frage gestellt, ich habe viel über andere Kulturen und Religionen erfahren. Die Arbeit in Coventry konzentrierte sich, wie die von Aktion Sühnezeichen, auf die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit. Ich hab eine Menge über Geschichte, vor allem die Geschichte des Zweiten Weltkrieges, gelernt.

Dabei ging es immer um mehr als nur den Umgang mit Geschichte. In monatlichen Studiengruppen ging es um Konzepte der Versöhnung für unterschiedliche Kulturen und Religionen zu unterschiedlichen Zeiten. Wir haben gemeinsam die Theologie von Versöhnung und Sühne studiert und ich hatte die Chance, alltägliche Versöhnungsarbeit in Nordirland zu erleben.

Vor einem Jahr hätte ich mir nicht träumen lassen, mit Freuden fast täglich in die Kirche zu gehen. Und ich hätte mir nicht träumen lassen glücklich dabei zu sein, meine eigenen Überzeugungen in Frage stellen zu lassen und dabei eine Menge von ihnen zu verändern. Für die Möglichkeit, ein Jahr in Coventry verbracht haben zu dürfen, bin ich sehr dankbar. Ich werde Coventry Cathedral sehr vermissen…“